Wie wir wissen ist Thomas Müller Torschützenkönig und bester Nachwuchsspieler der WM. Seine Qualitäten als Wortschöpfer sind hingegen weitgehend unbekannt. Er erfand “Mexitinien”, als er gefragt wurde: “Wollen Sie lieber gegen Mexiko oder Argentinien spielen?” Müller schuf ebenfalls den Begriff “Louis-van-Löw-Fußball”, und das dürfte erst der Anfang einer ganzen Serie von Neologismen sein, der Mann ist schließlich erst 20 Jahre alt.
Carlos Dunga, der inzwischen bereits ehemaliger Nationaltrainer Brasiliens, hatte einen bemerkenswerten Spruch gebracht: “Wir müssen immer gewinnen. Und wenn wir gewinnen, dann sind wir nicht zufrieden, weil wir ein Spektakel hätten zeigen müssen. Und wenn wir ein Spektakel zeigen, sind wir auch nicht zufrieden, weil wir sieben oder acht Tore hätten machen müssen. Und wenn wir das getan haben, dann heißt es: Der Gegner war schwach.”
Gefunden habe ich diese und andere Randinformationen auf der Seite “WM von A bis Z” von “Spiegel Online“. Dort ist auch vom “Knuddel-Che” die Rede und man erfährt, dass es seit gestern in der Schweiz “Weltmeisterbesieger” T-Shirts gibt. Hier sind noch zwei weitere Kostproben:
“Italien schickte das schlechteste Team seit der Völkerwanderung, was auch damit zu tun hatte, das die meisten Spieler noch aus jener Zeit stammten. Heldenhaft übernahm Kaiser Marcello Lippi die ganze Verantwortung, stürzte sich dann aber nicht in sein Schwert, sondern fuhr in den Urlaub.”
“Wurde bei der Weltmeisterschaft in Südafrika bei 64 Gelegenheiten gespielt, von denen die allermeisten bereits vergessen sind. Als Gelegenheit zu einer vierwöchigen Weltparty funktionierte die WM weiterhin wunderbar, aber richtiger Fußball wird inzwischen in der Champions League gespielt. Oder so gefragt: Wer ist eigentlich besser? Nordkorea oder Energie Cottbus? Der 1.FC Köln oder Honduras? Borussia Mönchengladbach oder Slowenien? Der Hamburger SV oder die USA? Der FC Bayern oder Holland? Wobei es bei der letztgenannten Paarung eigentlich kaum Unterschiede gibt.”
“Wir müssen jetzt die Köpfe hochkrempeln – und die Ärmel auch.”
(Lukas Podolski)
Herzlichen Glückwunsch, Spanien! Dem Team von der iberischen Halbinsel ist es zum ersten Mal in seiner Geschichte gelungen, den Weltmeistertitel ins eigene Land zu holen. Spanien trägt sich damit als achte Nation in die Siegerliste ein, nach Brasilien (5 Mal), Italien (4 Mal), Deutschland (3 Mal), Uruguay (2 Mal), Argentinien (2 Mal), England und Frankreich. Damit hat auch das momentan beste Team der Welt die begehrte Trophäe gewonnen, auch wenn sie vielleicht nicht immer so spektakulär spielten. Den attraktivsten Fußball des Turniers bot sicherlich die Deutsche Mannschaft.
Fairerweise sollten wir allerdings zugeben, dass die Spanier im Halbfinale die überlegenere Mannschaft hatten. Sie waren taktisch hervorragend eingestellt, haben die Räume zugemacht und unseren Jungs ihr Spiel aufgezwungen. Wenn man die Anzahl der Torchancen betrachtet, dann wäre sogar ein höherer Sieg möglich gewesen. Insofern ist das einzige Manko in der spanischen Offensive die mangelnde Chancenverwertung. Ansonsten kann man das spanische Mittelfeld durchaus als “weltmeisterlich” bezeichnen. Hervorragend ist auch ihr Schlussmann Iker Casilas, der zu recht zum besten Torwart der WM 2010 gewählt wurde.
Den “Goldenen Ball” für den besten Spielers des Turniers erhielt Diego Forlán aus Uruguay. Auch dieser Entscheidung stimme ich voll und ganz zu. Forlán hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass seine Mannschaft bei dieser WM so hervorragend abschnitt und auch im letzten Spiel gegen Deutschland einen spannenden Fight hinlegte.
Erfreulich aus Deutscher Sicht ist, dass Thomas Müller WM-Torschützenkönig wurde und außerdem die Auszeichnung für den besten Nachwuchsspieler bekam. Der Stürmer des FC Bayern steht damit am Beginn einer erstaunlichen Weltkarriere. Erst 20 Jahre ist er alt und spielte vor zwei Jahren noch in der dritten Liga. Schon einmal gab es einen Zwanzigjährigen, der eine überragenden WM spielte und dem man danach eine große Karriere prophezeite. Das war im Jahr 1966 und sein Name war Franz Beckenbauer.
“Der Junge ist schnell, hat eine gute Technik und schnappt vor allem nicht über. Der wird ein Großer!”
(Gerd Müller über Thomas Müller)
“Wenn du so gerne das Fähnchen schwenkst, dann such dir doch ‘nen Job am Flughafen.”
(Erik Meijer)
Von allen Engländern zeigte Howard Webb die beste Leistung bei der diesjährigen WM. Nein, er gehört nicht zu den Spielern und ist weder Trainer noch Betreuer. Howard Webb ist Schiedsrichter und leitete bei dieser WM bisher drei Spiele, u.a. das Achtelfinale Brasilien gegen Chile. Momentan wird dermaßen viel über schlechte Schiedsrichterleistungen diskutiert und da wollte ich einfach mal einen Referee erwähnen, der seinen Job gut gemacht hat.
Natürlich ist es unbestritten, dass einige Teams aufgrund fehlerhafter Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt wurden. Den US-Amerikanern ist das bei dieser WM mindestens drei Mal passiert. Zwei reguläre Tore - je eines gegen Slowenien und Algerien - wurden ihnen aberkannt. Außerdem übersah das Schiedsrichtergespann die Tätlichkeit eines Algerischen Spielers und das hätte eine Rote Karte zur Folge haben müssen. Sind nun die Schiedsrichter für eine Wettbewerbsverzerrung verantwortlich, wenn die Ergebnisse durch Fehlentscheidungen verfälscht werden? Meine Antwort: Nein! Die Ursache liegt an einer anderen Stelle.
Um das Problem zu erkennen, schauen wir uns zunächst den 3:1-Achtelfinalsieg Argentiniens gegen Mexiko an. Das für gültig erklärte Abseitstor der Argentinier zur 1:0-Führung flimmerte über alle Stadionleinwände. Durch die eingespielte Zeitlupe wurde der Schiedsrichter öffentlich vorgeführt. Wie aber reagiert die FIFA? Einzige Maßnahme war eine Überprüfung der Video-Einspielungen auf den Stadion-Bildschirmen. Dort dürfen strittige Szenen nicht als Wiederholung für die Stadion-Besucher gezeigt werden. “Da ist ein Fehler passiert. Wir wollen sicherstellen, dass dies nicht mehr passiert”, kommentierte Maingot die öffentlich übermittelte Zeitlupe. Zu dem offensichtlichen Patzer des Referees sagte er kein Wort.
Schiedsrichter sind auch nur Menschen und sie machen Fehler wie alle anderen. Es existieren aber heutzutage hervorragende technische Voraussetzungen, um sie bei einer guten und sicheren Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die Weigerung der FIFA, Dinge wie den Videobeweis und andere Hilfestellungen zuzulassen, erinnert mich an die Haltung der katholischen Kirche im Mittelalter. Vehement verteidigte sie ihr altes Weltbild, obwohl die Hinweise nicht mehr zu übersehen waren, dass die Erde doch rund ist. So ähnlich verhält sich die FIFA: Sie bleibt ihrer antiquierten Linie treu, obwohl alle Welt inzwischen sieht, was Sache ist. Lieber die eigenen Schiris wie Deppen aussehen lassen, als die erforderlichen Veränderungen in Gang zu bringen.
Das Achtelfinale ist überstanden und Deutschland hat mit einer spielerisch guten Leistung England zurück auf die Insel geschossen. In der Offensive gefiel mir vor allem Thomas Müller, im Mittelfeld setzte Sebastian Schweinschweiger die entscheidenden Impulse und Arne Friedrich hat hervorragende Abwehrarbeit geleistet. Nun kommt es genau wie 2006 zur Viertelfinalbegegnung gegen Argentinien, so wie ich es in meinem Beitrag „Fußball WM 2010 (Teil 2) - Wer wird Weltmeister?“ vorausgesagt habe.
Bei meinen Prognosen bezüglich der Achtelfinalteilnehmer lag ich zwölf Mal richtig: Mexico, Argentinien, USA, England, Deutschland, Ghana, Niederlande, Paraguay, Brasilien, Portugal, Spanien undChile überstanden die Vorrunde. Vier Mannschaften hatte ich allerdings nicht auf der Rechnung: Uruguay, Südkorea, Japan und die Slowakei.
In meinem Beitrag “Fußball WM 2010 (Teil 1) - Wer übersteht die Vorrunde?” machte ich dann noch eine detaillierte Voraussage, die auch exakt eingetreten ist: Portugal erzielte zunächst ein Unentschieden gegen die Elfenbeinküste und qualifizierte sich fürs Achtelfinale nach einem Sieg gegen Nordkorea mit einem weiteren Unentschieden gegen Brasilien, die im Schongang spielten. Ebenfalls habe ich gesagt, dass Frankreich bereits in der Vorrunde rausfliegt. Deutschland wurde Gruppenerster - das passte auch. Nur der Tipp mit zwei Siegen und einem Unentschieden war falsch. Gegen Serbien haben unsere Jungs ja bekannterweise verloren. Mit meiner Vermutung, Italien würde mit einem Sieg und zwei Unentschieden die Vorrunde überstehen, lag ich nach dem zweiten Spiel der “Squadra Azzurra” noch im grünen Bereich. Dann sind sie allerdings von der Slowakei aus dem Turnier gekickt worden. Ich hatte ja nicht allzu viel von den Italienern erwartet, aber nur zwei Punkte und Gruppenletzter - damit habe ich nicht gerechnet. Naja, immerhin haben sie als amtierender Weltmeister damit noch doppelt soviel geholt, wie der Vizeweltmeister Frankreich.
Da ich vier Mannschaften für das Achtelfinale falsch getippt habe, konnten meine vorhergesagten Teams fürs Viertelfinale auch nicht mehr passen. Mit Argentinien, Deutschland, Niederlande, Brasilien, Ghana und Spanien hatte ich recht, Uruguay ersetzt Südafrika und Paraguay hat sich anstelle von Italien als Gruppensieger durchgesetzt und spielt ebenfalls unter den besten Acht. Meine drei Favoriten Brasilien, Spanien und Deutschland sind nach wie vor auf Kurs und werden den Titel unter sich ausmachen. Da ich nach dem Ausscheiden Südafrikas einen Ersatz brauche, tippe ich auf Uruguay als Halbfinalist.
Ach ja, in meinem Beitrag “Fußball WM 2010 (Teil 3) - Uwe Seeler nervt in Südafrika” hatte ich noch den Spruch gebracht, dass Miroslav Klose vielleicht gegen England ein Tor mit dem Hinterkopf erzielen würde. Tatsächlich hat der Miro das 1:0 geschossen, auch wenn es nicht in “Uwe Seeler Manier” geschah. Es gab und gibt für alle Zeiten eben nur einen echten “Uns Uwe”.
“Nein, liebe Zuschauer, das ist keine Zeitlupe, der läuft wirklich so langsam.”
(Werner Hansch)
“Erst wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt.”
(Rudi Assauer)
Da sagte doch neulich jemand nach dem Eröffnungsspiel: “Diese ‘Uwe-Seeler-Tröten’ gehen mir echt auf den Zeiger!” Mir war klar, dass er damit diese Dinger meinte, die im Kollektiv verwendet, den akustischen Eindruck eines gewaltigen und überdimensionalen Insektenschwarms hervorriefen. Aber wieso ‘Uwe Seeler’? Es kann doch wohl nicht sein, dass diese Instrumente nach unserem legendären ‘Uns Uwe’ benannt wurden. Obwohl - verdient hätte er es natürlich. Die Älteren werden sie sich sicher erinnern, wie er mit der Deutschen Mannschaft bei der WM 66 als Spielführer Vizeweltmeister wurde. Unvergessen bleibt auch sein Tor bei der WM 70 im Viertelfinale gegen England. Mit seinem Hinterkopf erzielte er den Ausgleich zum 2:2 und erzwang damit die Verlängerung. Das Spiel gewann Deutschland schließlich mit 3:2 durch ein Tor von Gerd Müller.
“Tatsächlich”, dachte ich dann im Spiel Uruguay gegen Frankreich, “auch der Reporter hat gerade von ‘Uwe-Seeler-Tröten’ gesprochen. Nach einiger Zeit bemerkt ich allerdings, dass es sich um einen Hörfehler gehandelte. Diese Geräte heißen nicht “‘Uwe-Seelers”, sondern “Vuvuzelas”. Diese lustige Verwechselung soll schon mehreren Leuten passiert sein.
Die Deutsche Mannschaft hat ihr Auftaktspiel zur WM gegen Australien bravourös gemeistert. 4:0, das ist schon mal eine deutliche Ansage. Von allen Spielern hat mir am Besten Thomas Müller gefallen. Aber auch Phillip Lahm, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Mesut Özil haben eine überzeugende Leistung gebracht. Lukas Podolski hat mit seinem Tor zum 1:0 mal wieder gezeigt, dass er bei der Deutschen Nationalmannschaft im entscheidenden Moment treffen kann. Während ich so etwas von Poldi durchaus erwarte, muss ich zugeben, dass ich die Aufstellung von Miroslav Klose kritisiert habe. Was er in letzter Zeit gezeigt hatte, was ja wirklich nicht berauschend. Aber jetzt, wenn es um etwas geht, schlägt er wieder zu. Respekt Jogi, für den richtigen Riecher.
Allerdings sollte man diesen Sieg auch nicht überbewerten. Deutschland hatte das Glück, ihr erstes Spiel gegen den wahrscheinlich schwächsten Gegner in der Gruppe bestreiten zu können, um dann von Spiel zu Spiel immer mehr gefordert zu werden. Von allen Mannschaften, die bisher bei dieser WM gespielt haben, war die Deutsche definitiv die beste. Ansonsten hat Argentinien ganz ordentlich gespielt und mit einigen Abstrichen auch Mexico, Südkorea und Ghana.
Gerade ist das Spiel der Niederlande gegen Dänemark zu Ende gegangen. Bis zur Hereinnahme von Eljero Elia war das ein ziemlich müdes gekicke. Erst der beim HSV spielende Stürmer brachte Schwung ins Spiel der Holländer, das dieses schließlich mit 2:0 gewannen. Ein einziger guter Spieler wird wahrscheinlich nicht reichen, um die nächsten Spiele ebenfalls zu gewinnen.
Genauso sieht es auch bei der Englischen Mannschaft aus. Man muss Wayne Rooney wirklich bescheinigen, dass er sich für seine Mannschaft richtig ins Zeug gelegt hat und sein Siegeswille war deutlich erkennbar. Aber was war nur mit seinen Kollegen los? Angesichts dessen, was man in der Gruppe C gesehen hat, brauchen wir uns fürs Achtelfinale keine Sorgen zu machen. Selbst wenn es gegen England gehen sollte: Die Truppe von der Insel bereitet nicht gerade Angst und Schrecken. Vielleicht gelingt dann ja unserem Miro ein schönes Tor mit dem Hinterkopf zu erzielen wie einst Uwe Seeler - ob mit oder ohne Tröte.
“Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.”
(Roland Wohlfahrt)