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“Entschuldigung, hätten Sie mal einen Bierdeckel?” Der Stehtisch wackelte wie ein Wolkenkratzer in Tokio bei Erdbeben. Wir standen im Foyer von Porsche in Leipzig. Im “Diamanten”. Richtig cooles Ambiente. Super Architektur. Businessvolk strömte rein und gönnte sich noch einen Schluck Prosecco vor der Veranstaltung. Wir warteten auf unseren Auftritt und mischten uns wie immer unter die Leute. Alles war entspannt. Bloß dieser Wackelkandidat von einem Stehtisch trieb uns zum Wahnsinn! Wie gut, dass gerade ein Mitarbeiter von Porsche vorbeikam, den wir nach einem Bierdeckel fragen konnten, um dem Tisch die Nervosität auszutreiben.
Der Typ guckte uns an, als hätten wir von ihm verlangt, er solle den weißen Cayenne in der Mitte des Foyers mit Benzin übergießen und anzünden. Er schüttelte den Kopf und ging wortlos weg. Nach gut, dachten wir. Ein wackelnder Tisch soll uns nun echt nicht die Laune verderben.
Nach gefühlten 30 Sekunden war der junge Mann wieder da. Er warf sich vor uns auf die Knie und begann, den dreiteiligen Tischfuß mit einem Imbusschlüssel zu justieren. Zwischendurch schaute er immer wieder hoch auf ein Glas mit Wasser, das auf dem Stehtisch stand. Der Eichstrich diente ihm als Wasserwaage. Er war erst zufrieden, als erstens der Tisch nicht mehr wackelte und zweitens die Tischplatte in einer exakt horizontalen Position war.
“Wow!”, sagten wir. “Herzlichen Dank!” Wieder schaute uns der junge Typ einen Augenblick lang wortlos an. Dann sagte er einen einzigen Satz: “Wir bei Porsche arbeiten nicht mit Bierdeckel.”
(Aus dem Buch “Spuren statt Staub” von Anja Förster & Peter Kreuz)
Foto © Kigoo Images / PIXELIO
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