Fußball WM 2010 (Teil 4) - Super Schiedsrichter in Südafrika

“Wenn du so gerne das Fähnchen schwenkst, dann such dir doch ‘nen Job am Flughafen.”
(Erik Meijer)

Von allen Engländern zeigte Howard Webb die beste Leistung bei der diesjährigen WM. Nein, er gehört nicht zu den Spielern und ist weder Trainer noch Betreuer. Howard Webb ist Schiedsrichter und leitete bei dieser WM bisher drei Spiele, u.a. das Achtelfinale Brasilien gegen Chile. Momentan wird dermaßen viel über schlechte Schiedsrichterleistungen diskutiert und da wollte ich einfach mal einen Referee erwähnen, der seinen Job gut gemacht hat.

Rote KarteNatürlich ist es unbestritten, dass einige Teams aufgrund fehlerhafter Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt wurden. Den US-Amerikanern ist das bei dieser WM mindestens drei Mal passiert. Zwei reguläre Tore - je eines gegen Slowenien und Algerien - wurden ihnen aberkannt. Außerdem übersah das Schiedsrichtergespann die Tätlichkeit eines Algerischen Spielers und das hätte eine Rote Karte zur Folge haben müssen. Sind nun die Schiedsrichter für eine Wettbewerbsverzerrung verantwortlich, wenn die Ergebnisse durch Fehlentscheidungen verfälscht werden? Meine Antwort: Nein! Die Ursache liegt an einer anderen Stelle.

Um das Problem zu erkennen, schauen wir uns zunächst den 3:1-Achtelfinalsieg Argentiniens gegen Mexiko an. Das für gültig erklärte Abseitstor der Argentinier zur 1:0-Führung flimmerte über alle Stadionleinwände. Durch die eingespielte Zeitlupe wurde der Schiedsrichter öffentlich vorgeführt. Wie aber reagiert die FIFA? Einzige Maßnahme war eine Überprüfung der Video-Einspielungen auf den Stadion-Bildschirmen. Dort dürfen strittige Szenen nicht als Wiederholung für die Stadion-Besucher gezeigt werden. “Da ist ein Fehler passiert. Wir wollen sicherstellen, dass dies nicht mehr passiert”, kommentierte Maingot die öffentlich übermittelte Zeitlupe. Zu dem offensichtlichen Patzer des Referees sagte er kein Wort.

SchiedsrichterpflegeSchiedsrichter sind auch nur Menschen und sie machen Fehler wie alle anderen. Es existieren aber heutzutage hervorragende technische Voraussetzungen, um sie bei einer guten und sicheren Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die Weigerung der FIFA, Dinge wie den Videobeweis und andere Hilfestellungen zuzulassen, erinnert mich an die Haltung der katholischen Kirche im Mittelalter. Vehement verteidigte sie ihr altes Weltbild, obwohl die Hinweise nicht mehr zu übersehen waren, dass die Erde doch rund ist. So ähnlich verhält sich die FIFA: Sie bleibt ihrer antiquierten Linie treu, obwohl alle Welt inzwischen sieht, was Sache ist. Lieber die eigenen Schiris wie Deppen aussehen lassen, als die erforderlichen Veränderungen in Gang zu bringen.

Das Achtelfinale ist überstanden und Deutschland hat mit einer spielerisch guten Leistung England zurück auf die Insel geschossen. In der Offensive gefiel mir vor allem Thomas Müller, im Mittelfeld setzte Sebastian Schweinschweiger die entscheidenden Impulse und Arne Friedrich hat hervorragende Abwehrarbeit geleistet. Nun kommt es genau wie 2006 zur Viertelfinalbegegnung gegen Argentinien, so wie ich es in meinem Beitrag „Fußball WM 2010 (Teil 2) - Wer wird Weltmeister?“ vorausgesagt habe.

Bei meinen Prognosen bezüglich der Achtelfinalteilnehmer lag ich zwölf Mal richtig: Mexico, Argentinien, USA, England, Deutschland, Ghana, Niederlande, Paraguay, Brasilien, Portugal, Spanien und Chile überstanden die Vorrunde. Vier Mannschaften hatte ich allerdings nicht auf der Rechnung: Uruguay, Südkorea, Japan und die Slowakei.

In meinem Beitrag “Fußball WM 2010 (Teil 1) - Wer übersteht die Vorrunde?” machte ich dann noch eine detaillierte Voraussage, die auch exakt eingetreten ist: Portugal erzielte zunächst ein Unentschieden gegen die Elfenbeinküste und qualifizierte sich fürs Achtelfinale nach einem Sieg gegen Nordkorea mit einem weiteren Unentschieden gegen Brasilien, die im Schongang spielten. Ebenfalls habe ich gesagt, dass Frankreich bereits in der Vorrunde rausfliegt. Deutschland wurde Gruppenerster - das passte auch. Nur der Tipp mit zwei Siegen und einem Unentschieden war falsch. Gegen Serbien haben unsere Jungs ja bekannterweise verloren. Mit meiner Vermutung, Italien würde mit einem Sieg und zwei Unentschieden die Vorrunde überstehen, lag ich nach dem zweiten Spiel der “Squadra Azzurra” noch im grünen Bereich. Dann sind sie allerdings von der Slowakei aus dem Turnier gekickt worden. Ich hatte ja nicht allzu viel von den Italienern erwartet, aber nur zwei Punkte und Gruppenletzter - damit habe ich nicht gerechnet. Naja, immerhin haben sie als amtierender Weltmeister damit noch doppelt soviel geholt, wie der Vizeweltmeister Frankreich.

Da ich vier Mannschaften für das Achtelfinale falsch getippt habe, konnten meine vorhergesagten Teams fürs Viertelfinale auch nicht mehr passen. Mit Argentinien, Deutschland, Niederlande, Brasilien, Ghana und Spanien hatte ich recht, Uruguay ersetzt Südafrika und Paraguay hat sich anstelle von Italien als Gruppensieger durchgesetzt und spielt ebenfalls unter den besten Acht. Meine drei Favoriten Brasilien, Spanien und Deutschland sind nach wie vor auf Kurs und werden den Titel unter sich ausmachen. Da ich nach dem Ausscheiden Südafrikas einen Ersatz brauche, tippe ich auf Uruguay als Halbfinalist.

Ach ja, in meinem Beitrag “Fußball WM 2010 (Teil 3) - Uwe Seeler nervt in Südafrika” hatte ich noch den Spruch gebracht, dass Miroslav Klose vielleicht gegen England ein Tor mit dem Hinterkopf erzielen würde. Tatsächlich hat der Miro das 1:0 geschossen, auch wenn es nicht in “Uwe Seeler Manier” geschah. Es gab und gibt für alle Zeiten eben nur einen echten “Uns Uwe”.

“Nein, liebe Zuschauer, das ist keine Zeitlupe, der läuft wirklich so langsam.”
(Werner Hansch)

Fotos © PIXELIO
“Rote Karte” von Torsten Bogdenand
“Schiedsrichterpflege” von segovax

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Die Schlange
Freitag, 25. Juni 2010, 10:27 Uhr
Abgelegt unter: Allgemeines | Tags: , , , ,

Sand ViperDu gehst in die Wüste. Es ist ein wunderbarer Tag, keine Sorgen, ein perfekter Tag. Und dann plötzlich siehst Du diese große, lange Schlange, voller Gift; die Schlange, die bereit ist, Dich zu beißen und zu töten. Und Du springst zurück und bist völlig erschreckt, gelähmt vor Angst, voller Schweiß. Du bist in Panik. Und dann verschwindet plötzlich die Wolke am Himmel. Das Licht verändert sich und Du schaust auf die Schlange und siehst, dass es nur ein Seil ist.

Und jetzt bitte ich Euch das Seil zu betrachten, eintausend Jahre lang und nochmals Angst zu kriegen. Du kannst es nicht, weil Du für Dich realisiert hast, was wahr ist. Du kannst es nie mehr glauben. Es ist ein Seil, das ist die Realität. Dein Vorstellungsvermögen kann es nicht mehr zu einer Schlange machen.

Und dann kommt die ganze Welt zu Besuch und alle schreien: “Oh, es ist eine Schlange!” Und sie rennen weg. Und Du sagst: “Nein, nein, es ist nur ein Seil.”

Aber sie glauben, was sie denken und sie rennen weiter weg. Du hast keine Angst um ihr Leben, weil Du weißt, dass sie sicher sind. Du hast keine Angst um sie. Du brauchst nicht einmal Mitgefühl, weil Du weißt: Dies ist ein Seil. Und Du schaust, wie sie vor Nichts davon rennen und stolpern und ihre Knochen brechen.

Das ist die Art und Weise wie wir leben, wenn wir unseren Stress auslösenden Gedanken glauben. Die anderen Gedanken bringen Freude in unser Leben. Die Stress auslösenden Gedanken streiten mit der Realität. Sie versuchen dich davon zu überzeugen, dass dieses Seil eine Schlange ist.

Und gemäß meiner Erfahrung der letzten 20 Jahre ist jedes Problem ein Seil - nicht ein einziges von diesen, sondern alle von diesen!

Aus einem Vortrag von Byron Katie - gefunden im “TopCareer News- und Inspirationsletter” von Heidi Wellmann.

Foto © : Daniel Bleyenberg / PIXELIO

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Die Kraft der Liebe aus dem Mund eines Dreijährigen
Mittwoch, 23. Juni 2010, 08:54 Uhr
Abgelegt unter: Allgemeines, Glück und Erfolg | Tags: , , , ,

GeschwisterWie jede gute Mutter, die erneut schwanger ist, tat Karen alles was sie konnte, um ihren dreijährigen Sohn Michael auf das neue Baby vorzubereiten. Ärztliche Untersuchungen wiesen darauf hin, dass das Baby ein Mädchen sein würde. Tag für Tag, Abend für Abend, sang Michael seinem Schwesterchen in Mamis Bauch Lieder vor. Es war eine normale Schwangerschaft - bis zur Entbindung. Und dann kamen die Komplikationen. Nach langem Ringen wurde das Baby geboren - aber es schwebte in Lebensgefahr und wurde unter Sirenengeheul in die Neugeborenenintensivstation von St. Mary’s Hospital, Knoxville, Tennessee eingeliefert. Die Kinderärzte sagten der Mutter: “Es gibt sehr wenig Hoffnung. Seien sie auf das Schlimmste gefasst!”

Karen und ihr Mann, Mitglieder der Panther Creek Methodist Church in Morristown, Tenessee, hatten schon ein besonderes Zimmer in ihrem Heim für das Baby zurecht gemacht. Und jetzt mussten sie Reservierungen für einen Platz auf dem Friedhof machen. Der kleine Michael bat dauernd darum, dass er doch seine kleine Schwester sehen könne. “Ich will ihr etwas vorsingen,” erklärte er. Doch Kindern ist der Zutritt zur Intensivstation streng verboten. Doch Karen dachte, wenn Michael jetzt sein Schwesterchen nicht sieht, sieht er es vielleicht niemals. Sie zog ihm einen übergroßen Anzug an, und gemeinsam marschierten sie in die Intensivstation. Die Stationsschwester sah sofort, dass es ein kleines Kind war und fuhr sie an: “Bringen sie sofort das Kind hier raus! Hier sind keine Kinder erlaubt!”

Die sonst eher ruhige Mutter nahm ihren ganzen Mut zusammen, schaute der Stationsschwester mit festem Blick in die Augen und erklärte fest: “Er geht hier nicht weg, bis er seiner kleinen Schwester nicht etwas vorgesungen hat!” Dann ging sie gemeinsam mit Michael zum Bettchen seiner Schwester, wo das Baby drauf und dran war, den Kampf ums Leben zu verlieren. Nach wenigen Augenblicken begann Michael mit der unschuldigen und reinen Stimme eines Dreijährigen zu singen: “Du bist mein Sonnenschein, mein einziger Sonnenschein, du machst mich froh auch wenn die Wolken grau sind …”. Das kleine Baby begann sofort zu reagieren. Der rasende Puls normalisierte sich.

“Sing weiter, Michael”, ermutigte Karen mit Tränen in den Augen. Und Michael sang: “Du weißt gar nicht, Liebes, wie sehr ich dich liebe. Bitte nehmt mir meinen Sonnenschein nicht weg.” Als Michael sang, beruhigte sich das gequälte Atmen des Kindes. Jetzt waren auch die Tränen bereits auf dem Gesicht der Stationsschwester. Am nächsten Tag war das Baby so gesund, dass es nach Hause entlassen werden konnte. Die medizinischen Mitarbeiter nannten das Ganze schlicht ein Wunder.

Quelle: FFAX, Nicole und Sergio Jimenez

Diese Geschichte schickte mir Wolfgang Simson vor zehn Jahren mit seinem “DAWN-Freitagsfax”. Vor ein paar Tagen fiel mir das Fax beim Aufräumen wieder in die Hände. Auch jetzt berühren mich diese Zeilen noch genauso wie damals. Immer wenn ich das Lied höre, dass der kleine Michael seiner Schwester vorsang, denke ich unweigerlich an dieses fantastische Wunder.

Dieser alten Song wurde von vielen Superstars gesungen, z.B. von den Beatles, Bing Crosby, Ray Charles, Johnny Cash, Doris Day, Nat King Cole, Carly Simon, Will Smith, Michael Bolton und Bryan Ferry. Ich finde die Version von Elizabeth Mitchell besonders schön und habe sie Euch hier reingestellt. Genießt das Lied “You are my sunshine” an und denkt beim Hören daran, manchmal geschehen unfassbare Wunder!

Foto © :Augenblickchen / PIXELIO

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Fußball WM 2010 (Teil 3) - Uwe Seeler nervt in Südafrika

“Erst wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt.”
(Rudi Assauer)

Fanfare zur WMDa sagte doch neulich jemand nach dem Eröffnungsspiel: “Diese ‘Uwe-Seeler-Tröten’ gehen mir echt auf den Zeiger!” Mir war klar, dass er damit diese Dinger meinte, die im Kollektiv verwendet, den akustischen Eindruck eines gewaltigen und überdimensionalen Insektenschwarms hervorriefen. Aber wieso ‘Uwe Seeler’? Es kann doch wohl nicht sein, dass diese Instrumente nach unserem legendären ‘Uns Uwe’ benannt wurden. Obwohl - verdient hätte er es natürlich. Die Älteren werden sie sich sicher erinnern, wie er mit der Deutschen Mannschaft bei der WM 66 als Spielführer Vizeweltmeister wurde. Unvergessen bleibt auch sein Tor bei der WM 70 im Viertelfinale gegen England. Mit seinem Hinterkopf erzielte er den Ausgleich zum 2:2 und erzwang damit die Verlängerung. Das Spiel gewann Deutschland schließlich mit 3:2 durch ein Tor von Gerd Müller.

“Tatsächlich”, dachte ich dann im Spiel Uruguay gegen Frankreich, “auch der Reporter hat gerade von ‘Uwe-Seeler-Tröten’ gesprochen. Nach einiger Zeit bemerkt ich allerdings, dass es sich um einen Hörfehler gehandelte. Diese Geräte heißen nicht “‘Uwe-Seelers”, sondern “Vuvuzelas”. Diese lustige Verwechselung soll schon mehreren Leuten passiert sein.

Die Deutsche Mannschaft hat ihr Auftaktspiel zur WM gegen Australien bravourös gemeistert. 4:0, das ist schon mal eine deutliche Ansage. Von allen Spielern hat mir am Besten Thomas Müller gefallen. Aber auch Phillip Lahm, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Mesut Özil haben eine überzeugende Leistung gebracht. Lukas Podolski hat mit seinem Tor zum 1:0 mal wieder gezeigt, dass er bei der Deutschen Nationalmannschaft im entscheidenden Moment treffen kann. Während ich so etwas von Poldi durchaus erwarte, muss ich zugeben, dass ich die Aufstellung von Miroslav Klose kritisiert habe. Was er in letzter Zeit gezeigt hatte, was ja wirklich nicht berauschend. Aber jetzt, wenn es um etwas geht, schlägt er wieder zu. Respekt Jogi, für den richtigen Riecher.

Allerdings sollte man diesen Sieg auch nicht überbewerten. Deutschland hatte das Glück, ihr erstes Spiel gegen den wahrscheinlich schwächsten Gegner in der Gruppe bestreiten zu können, um dann von Spiel zu Spiel immer mehr gefordert zu werden. Von allen Mannschaften, die bisher bei dieser WM gespielt haben, war die Deutsche definitiv die beste. Ansonsten hat Argentinien ganz ordentlich gespielt und mit einigen Abstrichen auch Mexico, Südkorea und Ghana.

Gerade ist das Spiel der Niederlande gegen Dänemark zu Ende gegangen. Bis zur Hereinnahme von Eljero Elia war das ein ziemlich müdes gekicke. Erst der beim HSV spielende Stürmer brachte Schwung ins Spiel der Holländer, das dieses schließlich mit 2:0 gewannen. Ein einziger guter Spieler wird wahrscheinlich nicht reichen, um die nächsten Spiele ebenfalls zu gewinnen.

Genauso sieht es auch bei der Englischen Mannschaft aus. Man muss Wayne Rooney wirklich bescheinigen, dass er sich für seine Mannschaft richtig ins Zeug gelegt hat und sein Siegeswille war deutlich erkennbar. Aber was war nur mit seinen Kollegen los? Angesichts dessen, was man in der Gruppe C gesehen hat, brauchen wir uns fürs Achtelfinale keine Sorgen zu machen. Selbst wenn es gegen England gehen sollte: Die Truppe von der Insel bereitet nicht gerade Angst und Schrecken. Vielleicht gelingt dann ja unserem Miro ein schönes Tor mit dem Hinterkopf zu erzielen wie einst Uwe Seeler - ob mit oder ohne Tröte.

“Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.”
(Roland Wohlfahrt)

Foto © :Rike / PIXELIO

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Ist Glück der Sinn des Lebens?

GlückIn persönlichen Gesprächen betone ich häufiger, dass ich das Thema “Glück”, bzw, “glücklich sein” nicht vom philosophischen oder esoterischen Aspekt aus betrachte, sondern das ich einen pragmatischen Ansatz habe. Es geht also in erster Linie darum, dass die Erkenntnisse anwendbar sind und im eigenen Leben funktionieren. Bei allen Glücksmethoden und -prinzipien interessieren mich außerdem die wissenschaftlichen Grundlagen. Mir macht es Spaß, mich mit Glücksforschung, Hirnforschung und Quantenphysik zu beschäftigen. Sehr faszinierend finde ich z.B. die neuronalen Prozesse im Menschen bei bestimmten Emotionen, oder wie sich ein Wechsel der Gefühle auf die Gehirnaktivitäten auswirkt.

So ähnlich habe ich mein Engagement auch einigen religiösen, bzw. spirituellen Menschen erläutert, denen der tiefere Sinn jedoch nicht einleuchtete. Ein Beispiel war ein früherer Freund, von dem ich lange Zeit nichts mehr gehört hatte und der mich vor einigen Monaten überraschend besuchte. Von seinem christlichen Standpunkt her brachte er Argumente wie “Glücklich bin ich, weil ich weiß, wo ich nach dem Tod hinkomme!”, oder “Das wahre Glück findet man nur in Jesus und man braucht diesen ganzen Firlefanz überhaupt nicht!”. Da hab ich ihm widersprochen. Auf meine eigene Spiritualität und persönlichen Glaubensüberzeugungen möchte ich hier jetzt nicht eingehen, denn das habe ich bereits in meiner Trilogie “Die Wahrheit” getan. Hier soll es darum gehen, in welche Kategorie das “Glück” hineingehört und inwiefern es einerseits mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und andererseits mit unseren äußeren Umständen zu tun hat.

Im Buch “Die Glückstrainer” von Ella Kensington ist von insgesamt sieben Grundmotiven die Rede. Im Einzelnen heißen diese “Passen, Erwünschtsein, Schutz, Überlebenssicherung, Entscheidungsfreiheit, Macht und Sex”. Es gibt eine Grundvoraussetzung, damit man überhaupt glücklich sein kann: Jedes der sieben Motive muss erfüllt sein. Die Sache hat allerdings einen Haken: Oft sind diese Motive zwar in der Realität erfüllt, aber aufgrund eines Beurteilungsfehlers unseres Großhirns haben wir trotzdem das Gefühl, dass es bei einem oder mehreren nicht der Fall ist. Aus dieser Diskrepanz entstehen die meisten unserer Probleme. Darüber werde ich demnächst noch einen separaten Beitrag schreiben.

In der Psychologie gibt es eine Vielzahl von Modellen, in der die menschlichen Bedürfnisse und Motivationen dargestellt werden. Ein sehr bekanntes ist die 1943 veröffentlichte Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow. Da ich in diesem und allen anderen mir bekannten Modellen ein paar Dinge vermisse, habe ich eine eigene Bedürfnispyramide entwickelt:

Bedürfnispyramide

Die sieben Grundmotive von Ella Kensington finden sich ein wenig abgewandelt in meinem Model wieder. Zu den “Körperlichen Grundbedürfnissen” der ersten Ebene gehören die Motive “Überlebenssicherung” (Essen, Trinken, Atmung und Wärme), “Schutz” (vor Gewalt) und “Sex” (hier ist nicht Partnerschaft gemeint, sondern nur das körperliche Grundbedürfnis).

Die übrigen Grundmotive befinden sich auf der zweiten Ebene. “Passen” und “Erwünschtsein” habe ich hier zu “Beziehungen” zusammengefasst. “Entscheidungsfreiheit” sehe ich nur als einen Teil des Grundmotivs “Freiheit” an, zu dem ebenfalls die “Handlungsfreiheit” gehört. In “Die Glückstrainer” wird “Macht” als Grundmotiv bezeichnet. Diese Betrachtungsweise macht dann Sinn, wenn man es vom Gegenteil her sieht: der Machtlosigkeit. Da der Begriff “Macht” von vielen Menschen aber anders eingeordnet wird, nenne ich das entsprechende Grundmotiv auf der zweiten Ebene “Einfluss“. Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, Situationen und andere Menschen beeinflussen zu können. Hätten wir dieses Motiv nicht, dann gäbe es keinen Fortschritt, keine Erziehung und keine Schulen. Die Menschheit würde immer noch unter urzeitlichen Bedingungen leben, sofern sie überhaupt überlebt hätte.

Andere Menschen beherrschen zu wollen, oder im positiven Sinn die Führungsrolle in einem Unternehmen, einer Partei oder einem Verein zu übernehmen, geht über das Grundmotiv des “Einflusses” hinaus. Diese Weiterentwicklung bezeichne ich nun als “Macht“. Sie steht auf der dritten Ebene, zusammen mit der “Anerkennung” als Bedürfnis, das sich aus den “Beziehungen” ergibt und der “Entfaltung“, die als Grundlage die “Freiheit” hat.

Auf der vierten Ebene befindet sich unsere “Identität“. Dazu gehören unsere Überzeugungen, Werte, Ethik, Leitlinien, Berufung, Individualität und der Altruismus. Dann gibt es noch eine fünfte Ebene, die ich “Transzendenz” nenne. Hier spielen persönliche Gotteserfahrungen, bzw. die Suche nach Gott oder einem höheren Wesen eine große Rolle. Es geht außerdem um Dinge wie “ein Leben nach dem Tod” und “den Sinn des Lebens”.

Viele Menschen versuchen, auf der dritten Ebene ihr Glück zu finden. Sie sind davon überzeugt, erst dann glücklich sein zu können, wenn ihnen ein bestimmter Lebensumstand begegnet.

Liebespaar auf GänseblümchenSolltet Ihr zu diesen Leuten gehören, muss ich Euch leider enttäuschen: Seit Anbeginn der Menschheit ist es noch niemandem gelungen, durch die Veränderung der äußeren Umstände dauerhaft glücklich zu werden. Es sind zwar kurzzeitig Glücksgefühle möglich, jedoch normalisieren sich diese nach kurzer Zeit wieder. Die Euphorie nach einer Gehaltserhöhung ist nach spätestens drei Wochen vorbei und selbst das intensivste Glücksgefühl - das Verliebt sein - hält selten länger als sechs Monate an.

Siehe auch den Beitrag “Acht Wege, um am Glück vorbei zu laufen“.

Wenn das Glück nicht in den äußeren Dingen zu finden ist, dann wäre es doch naheliegend, dass es sich in der fünften Ebene verbirgt. Diese Stufe unterscheidet sich von den übrigen, den “operativen Ebenen”. Kann man bis zur vierten Stufe sein Handeln und seine Entscheidungen selbst beeinflussen und steuern, so geht es auf der fünften Ebene um ein “sich öffnen” und “erfahren”. Hier ist es kein “Tun”, sondern ein “Sein”. Es gibt Menschen, die ihr Glück auf dieser Ebene suchen. Sie beten täglich stundenlang im Kloster oder meditieren in einem Ashram. Ich persönlich glaube, dass man im Moment einer Gotteserfahrung großes Glück verspüren kann.

Ist dieses Glücksgefühl von Dauer und überträgt es sich auf meine anderen Lebensbereiche? Werde ich alleine dadurch glücklich, dass ich ein bestimmtes Bekenntnis lebe? Meine Antwort: Eindeutig Nein! Wäre das so, dann würde man bei den Anhängern einer bestimmten Religion oder Weltanschauung lauter permanent glückliche Menschen finden. Die wird man aber vergeblich suchen, ob bei den Christen, den Muslimen oder den östlichen Religionen. Die vorrangige Aufgabe einer Religion liegt auch nicht darin, glücklich zu machen; sie hat einen ganz anderen Zweck: Bereits in meinen “Gedanken zum Karfreitag” habe ich beschrieben, dass “Re-ligio” wörtlich übersetzt “Rück-Verbindung” heißt. Der ursprüngliche Zustand war also “Einheit” und erfuhr dann eine Form des “getrennt seins”. Die Religion hat nun die Aufgabe, die Verbindung wieder herzustellen. Mein alter Freund hatte da etwas verwechselt. Hätte er davon gesprochen, dass sein Lebenssinn darin besteht, Gott zu finden und in Gemeinschaft mit ihm zu leben, dann wäre ich einverstanden gewesen. “Glücklich sein” dagegen, so wie ich es verstehe, passt besser in eine andere Kategorie - es gehört in die operativen Ebenen.

Die ersten beiden Stufen der Bedürfnispyramide bieten zwar kein Glück, enthalten aber die Voraussetzungen, um überhaupt glücklich sein zu können. Auf der dritte Ebene sucht man dauerhaftes Glück vergebens und auch auf der fünften steht etwas anderes im Vordergrund.

Schlüssel zum GlückDie vierte Ebene ist es, wo wir unser eigenes Glück selbst erschaffen können. Ja, das ist kein Tippfehler! Wir erschaffen unser Glück im wahrsten Sinne des Wortes. Du bist der Schöpfer Deines eigenen Glücks, oder auch Deines Unglücks. Ich behaupte, dass jeder einigermaßen gesunde und erwachsene Mensch glücklich sein kann. Die Veranlagung dafür tragen wir bereits in uns. Von der vierten Stufe aus beeinflussen wir auch die darunterliegenden Ebenen und öffnen uns für die fünfte. Unser eigenes Potential für eine positive Realitätsgestaltung ist auf der vierten Ebene am Größten.

Leider findet man auf der vierten Ebene auch einige Dinge, mit denen wir uns selbst das Leben schwer machen. Diese “Glücksverhinderer” sind Überzeugungen, dass ich nicht glücklich sein kann, nicht will, oder nicht darf. Sie sind wie alte Programme in unserem Unterbewusstsein, die immer wieder das eigene Glück boykottieren. Diese Programme haben möglicherweise früher einmal einen Sinn gemacht. Vielleicht hatten sie in der frühen Kindheit die Funktion des Selbstschutzes. Aber jetzt, wo der Mensch erwachsen geworden ist, wird diese Art des Schutzes nicht mehr benötigt. Wird das alte Programm jedoch nicht gelöscht, läuft es immer weiter bis zum Lebensende. Es tut einfach seinen “Job” und fragt nicht danach, ob es sinnvoll ist. Die Chancen, hier aufzuräumen, sind allerdings gewaltig. Dabei muss man noch nicht einmal die Probleme aufspüren, um sie anschließend beseitigen zu können. Das alte Programm wird automatisch gelöscht, wenn es durch das passende neue Programm ersetzt wird.

Siehe auch den Beitrag “Wenn der Erfolg immer wieder verhindert wird“.

Wie man sein eigenes Glück steigern kann, darüber werde ich künftig noch einige Beiträge schreiben. Auf jeden Fall empfehle ich Euch dazu schon einmal das Buch “Robin und das Positive Fühlen” von Ella Kensington.

Siehe auch den Beitrag “Das beste Buch der Welt zu Glück und Realitätsgestaltung“.


Fotos:
“Glück” © : Stefanie Hofschlaeger / PIXELIO

“Bedürfnispyramide
” © : Udo Michaelis
“Liebespaar auf Gänseblümchen” © : Johanna Bieber / PIXELIO
“Schlüssel zum Glück”
© : Uli Carthäuser / PIXELIO

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